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Seide

Seit Jahrtausenden sind die Menschen von diesem Stoff fasziniert…der Seide! Ursprünglich aus China, konnte ihr Geheimnis um die Herstellung lange gehütet werden. Doch dann gelangte es auch nach Europa. Lange war sie ein Luxusgut, welches sich nur die Reichen leisten konnten. Inzwischen begegnet uns Seide fast überall.

Der so genannte Maulbeerspinner spinnt die Seide, die heutzutage überall im Handel ist. Bevor die Raupe schlüpft und aus ihr ein Schmetterling werden kann, werden die Kokons mithilfe von Heißwasser oder Wasserdampf vor dem Schlüpfen abgetötet, um zu verhindern, dass sie zerreißen. Anschließend wird der Seidenfaden des Kokons in einem Stück abgewickelt. Wie den meisten bekannt ist, ist Seide ein zarter, glänzender Stoff. Trotz dieser Eigenschaften, ist Seidenstoff sehr strapazierfähig und knitterarm und zeugt von langer Lebensdauer. Der weiche, fließende Fall der Seide lässt dieses Material hochwertig, ja fast anmutend erscheinen. Wenn man sich aber jetzt vor Augen führt, dass für nur 250 Gramm Seide etwa 3000 Raupen auf diese Weise getötet werden, wird dem einen oder anderen auch bewusst, dass der „Seiden“- Raupe das Licht der Sonne auf grausame Weise vorenthalten wird.

Dabei gibt es Alternativen…das Hamburger Mode Label namens Julia Starp fertigt beispielsweise Kollektionen aus Hanf, Bambusfasern, Bio-Baumwolle und “Peace-Silk” – Seide für die kein Schmetterling sterben muss, weil die Kokons erst verarbeitet werden, wenn die Raupen geschlüpft sind. Zudem werden die Raupen nicht mit Wachstumshormonen gefüttert und die Blätter der Maulbeerbäume, von denen sich die Seidenraupe ernährt, werden nicht gedüngt. Ein Beispiel für „Peace Silk“ ist das Modellkleid „Sommerfugl“ des eben genannten Labels…und das ist wirklich schön anzusehen ;-)

Seidenkleid von Julia Starp – Peace Silk

Und auch bei uns im Onlineshop findet ihr bereits „gewaltfreie Seide“! Bei der Herstellung eines Seidenschals von COCCCON werden unzählige Schmetterlinge geschont. Kein Tier muss dabei sein Leben lassen und es entsteht ein wunderschöner Schal mit außergewöhnlichem Print.

Schaut selbst :) http://www.earthback.com/shop/accessoires/scarfs/

Quelle: http://vision-action-change.com/shop/mode/seidenkleid-julia-starp

Gewaltfreie Seide

Ein Artikel aus dem Magazin Schrot&Korn stellt euch unsere Neuheit im Onlineshop COCCCON vor und bringt euch die gewaltfreie Seidenherstellung näher.

Quelle: http://www.schrotundkorn.de/2014/201403b02.php

Für Seidenraupen sind Seidenkleider eine teure Angelegenheit: Sie bezahlen dafür mit ihrem Leben. Außer, sie spinnen für den Designer Chandra Prakash Jha. // Jenni Zylka

Die englischen New Wave-Seitenscheitelträger „The Human League“ hatten bereits 1978 in ihrem größten Hit „Being boiled“ die Seidenherstellung („sericulture“) auf dem Schirm, und mixten ihre Botschaft subtil auf die Tanzflächen: „Listen to the voice of Buddha / saying stop your sericulture / little people like your offspring / boiled alive for some god’s stocking“. Und ob man die bei lebendigem Leibe gekochten Raupen nun für Reinkarnationen menschlicher Seelen hält oder für ekelige Krabbelviecher: Die Produktion des Luxusstoffs ist traditionell eine grausige Angelegenheit.

„Non-violent silk“ nennt der indische Designer Chandra Prakash Jha darum die glänzenden Stoffmuster, die er in einer Berliner Wohnung ausbreitet. Der Absolvent des New Delhi Institute of Fashion Technology hat 2012 die Firma „Cocccon“ gegründet und lässt in seiner Heimat, dem ökonomisch armen Bundesstaat Jharkhand, in dem die Seidenindustrie einen der wenigen Arbeitgeber darstellt, gewaltfrei Seide produzieren. Der 36-Jährige zeigt ein Foto, auf dem Frauen in Saris auf dem Boden sitzen, in ihrer Mitte ein Haufen mit federigen kleinen Eiern – den Kokons der Raupen. „Die Frauen sind darin geschult, sie vorsichtig so anzuschlitzen, dass dem Tier nichts passiert“, sagt Prakash. Aus diesem Schlupfloch flattern die Schmetterlinge nach der Metamorphose ungehindert heraus. In der freien Natur würden sie hingegen den Kokon mit einem Sekret zerstören, der Faden ließe sich nicht mehr abwickeln.

Schmetterlingen das Leben schenken

Prakashs Angestellte sammeln die leeren Kokons wieder ein, „entkleben“ sie in kochendem Wasser und spinnen den Faden an großen Spinnrädern zu Garn. Sie müssen das in den Kokon geritzte Loch per Hand mit einer speziellen Technik wieder schließen, um einen fortlaufenden Faden zu erhalten. Mit einem Seidenschal, in Prakashs letztjähriger Kollektion mit ökologischen Farben gefärbt und per traditionellem Holzblockdruck verziert, „haben Sie unsere Mutter Erde vor vier Litern giftigen Chemikalien bewahrt und 4000 Schmetterlingen das Leben geschenkt“, steht auf einem kleinen Kärtchen, das an dem duftigen Schal befes-tigt ist. Auf die Frage, ob Jharkhand dann nicht bald unter einer Schmetterlingsplage leiden müsse, lächelt der Mann, der eine seiner Schal-Kreationen um den Hals trägt: „Nein, denn sie leben ohnehin nur eine Woche. Aber diese Woche ist für einen Seidenspinner ein kompletter Lebenszyklus. Wer gibt einem das Recht, den zu beenden?“

Ökologisch korrekt, fair und sozial

Er verarbeite auch die an ihren feinen Knötchen zu erkennende Wildseide, erklärt Prakash, denn die tut keiner Raupe was zuleide: Sie besteht aus den verlassenen Kokons geschlüpfter Schmetterlinge. Doch das Kokonsammeln ist zeitaufwendig, der Ertrag nicht vorhersehbar. „Reiche Inder warten manchmal ein Jahr, bis ihr Wildseide-Kleidungsstück fertig ist“, erklärt Prakash. Für die von ihm hergestellte Soja-Seide, ein atmungsaktives, jerseyartiges Material, das aus Sojabohnen-Proteinen besteht und bei viel günstigerer Fabrikation ähnliche Eigenschaften wie echte Seide hat, wurde er 2012 mit dem „Source Award for ethical fashion“ ausgezeichnet.

Neben spirituellen Wertvorstellungen gab es für ihn weitere Gründe für das Flanieren auf der Seidenstraße: Bei einem Spaziergang in seiner Heimatstadt seien ihm damals Menschen aufgefallen, die Kokons transportierten. „Sie bekommen nur einen Bruchteil davon, was die Seide später einbringt“, sagt Prakash. Der Rest des Gewinns bleibt bei Unter- und Zwischenhändlern hängen. Und seit 2007 der indische Mindestlohn auf 80 Rupien (etwas über einen Euro) erhöht wurde, lassen viele Seidenfabrikanten in China produzieren. Prakash sorgt also auch für gerechte Löhne, vor allem für Frauen. Und der unermüdliche Designer kümmert sich nicht nur um Stoff: Sogar die selbst entworfenen Pappkleiderbügel bestehen aus recycelter Pappe, sämtliche Knöpfe aus benutztem Holz. Zudem bietet er Upcycling-Materialien an. „Die Pailletten stammen von alten Saris“, erklärt er, und zeigt auf Stoffproben mit handgestickten Mustern. „In Indien werden alte Klamotten einfach weggeschmissen“, denn „es ist dort manchmal billiger, neu zu kaufen, als reinigen zu lassen“. Die Vertriebs- und Transportwege sind für Prakash ebenfalls Thema. „Container Sharing“ nennt man die Praxis, kleinere Mengen per Schiff transportieren zu lassen. Auf die Stoffe muss er dann allerdings oft monatelang warten.

Seine Seide stellte Prakash 2012 und 2013 auf der „Ethical Fashion Show“ in Berlin vor, viele Designer waren begeistert und bestellten das Textil für ihre eigenen Kreationen. Denn der in Hagen lebende Inder kann das Material günstig anbieten, manche Stoffe kosten 15 Euro pro Meter: Auch kleine Label sollen bei ihm einkaufen können. Das Vorurteil, nachhaltige Mode bestände aus zipfeligen Filzkaftanen und Schafswollsocken, kann er mit den nassglänzenden, eng am Körper anliegenden Kleidern aus der neuen Kollektion lässig ausräumen. Und extrem gut für das Karma ist so ein Glückliche-Raupen-Minikleid ohnehin. Dieser Beitrag erschien zuerst auf www.taz.de.

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